• Rainer von Niederhäusern

Ayurveda-Geschichten

Ayurveda ist ein Universum an Gedanken und Methoden zur Förderung und Wiederherstellung der Gesundheit. Ein kleines Spektrum des Ayurveda widmet sich der Phytotherapie, der Pflanzenheilkunde.


Anlässlich meines Akupunkturstudiums in Colombo im Jahre 1984 nahmen wir an einigen Führungen durch das Ayurvedaspital in Colombo teil und waren mehrere Male Gast bei Dr. Kanakaratnam, einem der Mitbegründer des Spitals in den 20er Jahren. Er war 88 Jahre alt. Kanakaratnam bedeutet etwa: Goldener Diamant auf Tamil. In seinem Fall bestand eine Affinität zwischen seinem Namen und seiner Persönlichkeit. Wir waren bei ihm eingeladen zu freundschaftlichen abendlichen Gesprächen über Ayurveda und sein Leben als Arzt. Unsere Student/Innengruppe, ein amerikanischer Therapeut, eine Fachpflegefrau Gesundheit, 7 Mediziner ab Staatsexamen und ich. Es hatte etwas von einem lieben Vater, der seinen ungläubigen, staunenden und schon leicht zynischen Kindern Geschichten aus einem anderen Zeitalter erzählte. Im Jahre 1934/35 starben in Sri Lanka 80’000- 100'000 Menschen an Malaria. Dr. Kanakaratnam erzählte, wie er während seines Studiums in Madras in den 20er Jahren in einem Antiquariat ein altes handgeschriebenes Ayurveda-Rezeptbuch erstand. Es hatte das Format einer stattlichen Bibel und war mit hellblauer Tinte geschrieben. Ein Rezept darin beschrieb ein Medikament zur Heilung von Malaria. Er stellte das Medikament dann 1935 in Colombo her und hatte durchschlagenden Erfolg damit.

Damals herrschten noch die „Brits“ in Asien. Er erzählte, dass die“Brits“ Wind davon bekamen und ihm Geld gaben, um das Spital substantiell zu auszubauen. Die zuhörenden Ärzte unter uns warfen sich Blicke zu und rollten mit den Augen, was ihm nicht verborgen blieb. Ruhig stand er auf und kramte in seinem Büchergestell ein paar Amtsbücher/ Amtsblätter hervor und zeigte die Protokolle der Beratungen im Parlament (aus den 30er Jahren) die besagten, dass er ein Medikament entwickelt hatte, das die Malaria stoppt!!! Und in der Folge wurden entschieden, ihm grosse Beträge für den Ausbau des Spitals zuzusprechen. Er zeigte uns auch ein Fläschchen mit einem rötlichen Pulver drin. Das besagte Medikament.

Das Spital hatte seine eigene Apotheke, ein kleines Häuschen wie ein Kiosk am Eingang zum Spital. Man konnte dort auch von der Strasse her Medikamente kaufen. Die meisten Medikamente für den täglichen Bedarf wurden selbst hergestellt. Das sah ungefähr so aus: Ein Steinboden ca. 6x6 Metern mit 4 Eisenpfosten auf denen ein Wellblechdach Schutz vor Regen und Sonne bot. 4 Gasbrenner, auf denen in 1 Barrel- Fässern gelbe und grünliche Saucen blubberten. Die Fasswand war auf ca. 10 cm Höhe abgetrennt und der Fassboden nach unten ausgetrieben, es sah aus wie ein grosses, flaches nach unten gewölbtes Becken. 30° Celsius, senkrechte Sonne, 100% Luftfeuchtigkeit.

Vier Männer mit nichts bekleidet ausser einem um die Lenden geschlungenen Dhoti rührten glänzend vor Schweiss die Flüssigkeiten in den Becken. Gelb und grünliche Dämpfe mischten sich mit dem allgegenwärtigen Parfum von Francipaniblüten. In einem Eck ein riesiger Knoblauchhaufen über den die Flüssigkeit ausgegossen wurde. Gemörsert-gestampft wurde mit den Füssen. Fertig gestellt war die Paste, wenn die Masse schön homogen zwischen den Zehen hervorquoll.

Die Pasten wurden dann manuell zu Pillen gerollt. Diese konnten man wie erwähnt im Ayurvedakiosk erwerben und oder sie wurden im Spital als Heilmittel benutzt.


Rainer von Niederhäusern 08/21

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